Gestern, am 30. Januar 2026, ist etwas passiert, das man sich merken sollte: Die Deutsche Umwelthilfe hat vor Gericht den ersten rechtlichen Erfolg gegen Shein in Deutschland erzielt. Der Vorwurf: Greenwashing. Shein musste seine Behauptung entfernen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Grund? Der eigene Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens zeigt einen Anstieg der CO2-Emissionen um 23 Prozent im letzten Jahr. Das ist nicht Klimaneutralität. Das ist das Gegenteil davon.
Und das ist nur der Anfang einer Geschichte, die gerade richtig Fahrt aufnimmt.
400.000 Pakete. Jeden Tag. Nur nach Deutschland.
Um zu verstehen, warum die EU jetzt handelt, muss man sich eine einzige Zahl ansehen: 400.000 Pakete pro Tag werden allein von Shein und Temu nach Deutschland verschickt. Vierhunderttausend. Täglich. Die meisten davon fallen unter die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro, was bedeutet: keine Einfuhrzölle, keine Mehrwertsteuerprüfung, praktisch keine Kontrolle.
Das ist kein Schlupfloch, das versehentlich offengeblieben ist. Es ist ein Geschäftsmodell, das exakt auf dieses Schlupfloch gebaut wurde. Shein und Temu verschicken bewusst Einzelpakete aus chinesischen Lagern direkt an europäische Verbraucher, statt Großlieferungen in europäische Warenlager zu importieren. So umgehen sie systematisch die Regeln, die für jeden europäischen Händler gelten.
Die EU zieht den Stecker
Im Juli 2026 wird die Europäische Union die Zollfreigrenze für Pakete aus Drittländern vollständig abschaffen. Jedes einzelne importierte Paket wird mit einer Gebühr von 3 Euro belegt. Das klingt nach wenig. Aber wenn dein T-Shirt 4,99 Euro kostet, sind 3 Euro Zollgebühr plötzlich ein Aufschlag von 60 Prozent. Und das ist der Punkt.
Die EU hat diese Maßnahme um zwei Jahre vorgezogen. Ursprünglich war 2028 geplant. Dass es jetzt so schnell geht, zeigt, wie ernst die Lage genommen wird. Parallel dazu hat die EU-Kommission formelle Ermittlungen gegen Shein und Temu wegen unlauterer Geschäftspraktiken eingeleitet. Es geht um irreführende Rabattanzeigen, manipulatives Design und fehlende Produktsicherheit.
Fast-Fashion-Artikel werden im Durchschnitt weniger als fünfmal getragen und nach etwa 35 Tagen aussortiert. Pro Tragetag erzeugen sie über 400 Prozent mehr CO2 als Kleidungsstücke, die 50-mal getragen werden.
Greenwashing mit System
Zurück zum Urteil der Deutschen Umwelthilfe. Was Shein gemacht hat, ist kein Einzelfall, sondern Strategie. Auf der Website und in Marketingkampagnen warb Shein mit dem Versprechen, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die firmeneigenen Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Die Emissionen sind gestiegen, nicht gesunken.
Das ist ein Muster, das man in der gesamten Ultra-Fast-Fashion-Branche sieht. Es wird in Nachhaltigkeitskommunikation investiert, nicht in Nachhaltigkeit selbst. Recycling-Kapseln mit 20 Teilen stehen neben 30.000 neuen Artikeln pro Woche. Bio-Baumwoll-Labels werden an Produkte geheftet, deren Lieferkette niemand lückenlos nachvollziehen kann.
Die DUH hat angekündigt, weitere Unternehmen ins Visier zu nehmen. Und Frankreich ist noch einen Schritt weiter gegangen: Seit dem 1. Januar 2026 sind PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien", in Kleidung verboten. Deutschland wird nachziehen müssen – die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien soll bis Sommer 2027 in deutsches Recht umgesetzt werden.
Warum das jeden betrifft, der online Mode kauft
Man kann das alles als Regulierungs-Kleinkram abtun, der einen selbst nicht betrifft. Aber die Auswirkungen sind konkret:
- Preise bei Shein und Temu werden steigen. Die 3-Euro-Paketgebühr und verschärfte Zollkontrollen werden die Preise im unteren Segment anheben. Das 3,99-Euro-Kleid wird es in dieser Form nicht mehr geben.
- Lieferzeiten werden länger. Strengere Kontrollen an den EU-Außengrenzen bedeuten langsamere Abfertigung.
- Rücksendungen werden teurer. Was bisher kostenlos zurückging, wird zunehmend mit Gebühren belegt – ein Trend, der sich 2026 beschleunigen wird.
- Alternativen werden attraktiver. Outlet-Shopping, Secondhand und bewussterer Konsum stehen plötzlich nicht mehr im Widerspruch zum Wunsch nach guten Preisen – sie sind die logische Antwort.
Das eigentliche Problem: Wir kaufen zu viel
Es wäre einfach, Shein und Temu als Bösewichte darzustellen und den Rest der Branche freizusprechen. Aber das wäre unehrlich. Denn das Ultra-Fast-Fashion-Modell funktioniert nur, weil genug Menschen bereit sind, Kleidung als Wegwerfprodukt zu behandeln. Fünfmal tragen, entsorgen, neu bestellen.
Gleichzeitig ist der Resale-Markt in Deutschland um 12,3 Prozent gewachsen. Plattformen wie Vinted verzeichnen Rekordgewinne. Fast 60 Prozent der Verbraucher weltweit sagen, dass sie 2026 Secondhand kaufen werden. Es gibt also durchaus eine Gegenbewegung – sie wächst sogar schneller als Fast Fashion selbst.
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell sich das Einkaufsverhalten verschiebt. Die regulatorischen Weichen werden gerade gestellt. Die Zollfreigrenze fällt. Greenwashing wird rechtlich angreifbar. Und die Konsumenten? Die rechnen nach.
Was bleibt
Der 30. Januar 2026 wird wahrscheinlich nicht als historischer Tag in die Geschichtsbücher eingehen. Ein Gericht zwingt ein Unternehmen, eine falsche Behauptung von seiner Website zu nehmen – das klingt klein. Aber es ist ein Signal.
Die Ära, in der Ultra-Fast-Fashion-Plattformen ohne jede Konsequenz in Europa operieren konnten, geht zu Ende. Nicht mit einem großen Knall, sondern Schritt für Schritt. Urteil für Urteil. Regulierung für Regulierung.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer heute schon bewusst einkauft – Preise vergleicht, auf Qualität achtet, Outlet-Angebote nutzt statt Wegwerfmode zu bestellen – ist der Entwicklung voraus. Nicht weil es trendy ist, sondern weil es einfach die smartere Art ist, Mode zu kaufen.
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